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Darwins Welt: Finken - Feier

Die Galápagos-Finken galten bisher als Ausgangspunkt und Auslöser der Evolutionstheorie von Charles Darwin. In seinem berühmten Buch über die Entstehung der Arten kommen die Galápagos - Finken hingegen nicht vor.

Kolophon: Vier Unikatbücher in Variation, ca 26 x 18 cm, Querformat, in Kassette, Frankfurt 2009, handsigniert, je 9 verschiedene Vogelaquarelle auf Arches Cold Pressed Grain Fin 300 g, handschriftliche Textzwischenblätter auf Transparentpapier 110/115 g, Begleittext: PC Druck Caligula auf Bütten Silberburg, handgeschöpft, 110g, Einband: Enkaustik mit Federn auf Ölmaltuch, Klarsichtfolie, Federbesatz auf Kassettendeckel, Begleittext, Individuelle Lesezeichen

Finken – Feier
Im Jubiläumsjahr von Charles Darwin den "Darwinfinken" als Thema auszuweichen, schien mir unmöglich. Denn diese Finken galten als Ausgangspunkt und Auslöser der Evolutionstheorie des englischen Forschers. Doch darf man getrost diese Vorstellung in das Reich der Legende verweisen. Der junge Darwin hatte bekanntermaßen auf der fünfjährigen Forschungsreise des Vermessungsschiffes "Beagle" im September und Oktober 1835 die Gelegenheit, die Galápagos - Inseln zu durchstreifen und Fauna und Flora der Inselgruppe vulkanischen Ursprungs zu erforschen. Dabei fügte er seinem gesammelten Material auch eine Reihe von geschossenen kleinen Vögeln hinzu, darunter die Galapagos-Finken. Doch hatte er sie gegen seine Gewohnheit nicht so sorgfältig den einzelnen Fundorten auf den Inseln zugeordnet, so dass erst später mit Hilfe seiner Begleiter eine Zuordnung erfolgen konnte. Nach seiner Rückkehr nach England untersuchte und bestimmte der Ornithologe John Gould vom Museum der Zoologischen Gesellschaft in London, der Darwin die Vögel überlassen hatte, die Finken und erkannte, dass es sich dabei um neue Gattungen handelte. Vermutlich war vom etwa 1100 km entfernten südamerikanischen Festland, möglicherweise von einer ammerartigen Körner fressenden Art von Chile aus, vor Millionen von Jahren mindestens ein "Finken" Weibchen mit befruchteten Eiern vom Sturm auf die Insel geweht worden und ist als Stammmutter der heute bekannten 14 eng verwandten Finkenarten der Inselgruppe zu betrachten. Das besondere daran ist, dass diese Singvögel nur auf den Galapagos-Inseln und mit einer Art, dem Kokosfinken, nur auf der Kokos-Insel verbreitet sind. Ihre nächsten Verwandten sind nicht etwa Finken, sondern wohl Ammern und Tangaren. Darwin hatte den Finkenvögeln zunächst keine so große Aufmerksamkeit geschenkt, wie eigentlich zu vermuten wäre, wobei ihm die Ähnlichkeit mit Ausnahme der Schnäbel der kleinen Vögel untereinander aufgefallen war. Ihn hatte zunächst die Farbe ihres Gefieders mehr interessiert. In einer Neuauflage des Beagle - Buchs von 1845 heißt es dann aber „Wenn man die Abstufung und die strukturelle Diversität in einer so kleinen, eng verbundenen Gruppe von Vögeln sieht, könnte es einem wirklich so vorkommen, als ob jemand sich eine Art genommen und sie zu verschiedenen Zwecken verändert hätte“. In seinem berühmten Buch über die Entstehung der Arten kommen die Galápagos - Finken hingegen nicht vor. Von einem „Aha“ Erlebnis auf Galápagos kann also nicht die Rede sein. Der Forscher hatte, wie man weiß, einen langen Weg von den Ergebnissen seiner Forschungen und der Erkenntnis, dass eine allmähliche Evolution stattgefunden haben müsste, zurückgelegt. Vorschnelle Veröffentlichungen waren seine Sache nicht. Die Darwinfinken, der Begriff wurde erst 1935 geprägt und durch das 1947 erschienen Buch „Darwin’s Finches“ von dem Ornithologen David Lack weltweit bekannt, sind etwa 20 cm groß und unterscheiden sich vor allem durch Form und Größe ihres Schnabels, während im Körperbau und Federkleid eine erstaunliche Ähnlichkeit herrscht, was auch Darwin aufgefallen sein musste. Diese Variation bei den Schnäbeln erfolgte im Lauf der Zeit durch das Phänomen der Merkmalsverschiebung und das bedeutet, dass die Evolution bewirkt, dass zwei ähnliche Arten, die nebeneinander existieren, sich möglichst deutlich unterscheiden, um damit jeweils unterschiedliche ökologische Nischen besetzen zu können. Daher findet man auf den Galápagos - Inseln solche Finken wie den Großgrundfink, dessen Schnabel geeignet ist, harte Samen zu knacken, oder den kleinen Baumfink, der mit seinem dünnen zierlichen Schnabel Insekten fängt. Der Spechtfink und der Mangrovenfink benutzen sogar einen Kaktusstachel oder einen kleinen Zweig als Werkzeug, um nach Termiten oder anderen kleinen Tieren wie Käfer oder Maden unter der Baumrinde zu greifen. Der schwachschnäbelige Grundfink ernährt sich von kleinen weichen Samen, während der Kaktusfink mit seiner tief gespaltenen Zunge auch nach Nektar sucht. Die Stocherfinken stochern in der Art von Spechten mit ihren langen Schnäbeln in Rindenspalten nach Insektenlarven. Mit ihrem kurzen klobigen Schnabel können die Pflanzen fressenden Baumfinke Früchte unter hohem Druck zerquetschen. Hingegen sucht der Laubsängerfink Blätter und Zweige nach Insekten ab, die er mit seinem schlanken Schnabel aufpickt. So haben sich die Galapagos-Finken, deren endemische Arten auf eine Grundfinkenart zurückführen lassen, im Entwicklungsverlauf von Millionen Jahren den Lebensraum auf den Inseln so teilen können, dass sie durch ihr Verhalten und ihre unterschiedliche Nahrung ihre Chancen für ihre Fortpflanzung sichern konnten. Damit belegen sie natürlich in vorbildlicher Weise die Evolutionstheorie von Darwin, der sich aber möglicherweise mehr von den dortigen Spottdrosseln oder den Galápagos Landschildkröten hatte beeinflussen lassen. Vermutlich ist die nach Darwin benannte Finkenpopulation auf den Galápagos - Inseln heute die evolutionsbiologisch besterforschte Tiergruppe. Unsere mitteleuropäischen Finken zeigen ebenfalls gemäß ihrer jeweiligen Anpassung an ihre Nahrung einen kegelförmigen Körnerfresserschnabel in Variationen; klein ist er beim Girlitz, kurz beim Gimpel, lang beim Stieglitz, kräftig beim Kernbeißer und gekreuzt beim Kreuzschnabel. Natürlich gelten die evolutionären "Spielregeln" wie Mutation und Selektion auch für alle anderen Finkenvögel in der Welt, die etwa 200 Arten kennen soll. So nehme ich auch diese Spielregeln für mein Künstlerbuch zum Vorbild und habe neben den uns bekannten Finken wie beispielsweise Buchfink, Grünfink, Dompfaff auch andere neue Finkengeschöpfe beigegeben. Findet sie heraus!
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Vermutlich bewundert jeder die Vögel, die er in seinem Garten, auf Spaziergängen, einer Bergwanderung oder im Urlaub am Meer oder an einem See beobachten kann. Seine Augen verfolgen ihren eleganten Flug, ihre Nahrungssuche, ihren Nestbau und ihre Aufzucht der Jungtiere. Gelegentlich füttert er Enten oder Schwäne und im Winter sorgt er dafür, dass das Vogelhaus gut mit Körnern gefüllt und die Futterkugeln für die Meisen und Finken im Geäst der Bäume hängen. Seine Kenntnisse der Vögel sind womöglich auf wenige Namen beschränkt, und die Identifizierung eines ihm fremden Vogels macht ihm Mühe, es sei denn, er gehört zu den eifrigen "bird watchern", die mit Fernglas, Foto und Bestimmungsbuch ausgerüstet jedem Vogel "nachstellen". Ornithologen unterscheiden als Fachleute die Vögel in Ordnungen, Familien, Gattungen und Arten. Hierbei hatten die Ornithologen es bei den Finken nicht ganz so einfach und bei der Zuordnung waren und sind sie sich nicht immer einig. Dies wird sich mit einer systematischen Anwendung der Genanalyse verändern. So ist es besonders für den Laien nicht ganz einfach, sich bei den zahlreichen Finkenarten, wovon etliche schon ausgestorben sind, hindurchzufinden. Die Finken (Fringillidae) gehören als artenreiche Familie zu der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes) und damit zur Unterordnung der Singvögel (Passeri). Auch die Familien der Prachtfinken (Estrildidae) und manche Ammern (Emberizidae), die Tangaren (Thraupidae), die Kardinäle (Cardinalidae), die Sperlinge (Passeridae) und Webervögel (Ploceidae) werden als "Finken" bezeichnet. Die Verwirrung hält an, liest man, dass manche Wissenschaftler auch die Familie der Stärlinge (Icteridae), Waldsänger (Parulidae), Ammern, Tangaren, Kardinäle, Trugwaldsänger (Peudedramidae) und Rosenschwanzgimpel (Urocynchramidae) zu den Edelfinken (Fringillidae) rechnen. Neben den Edelfinken gehören noch die Organisten (Euphoniinae), die Stieglitzartigen (Carduelinae) und die Kleidervögel (Drepanidinae) zu den Unterfamilien der Finken.
Liste der Vogelnamen in den Künstlerbüchern
Buchfink (Fringilla coelebs)
Bergfink (Fringilla montifringilla)
Berghänfling (Carduelis flavirostris)
Bindenkreuzschnabel (Loxia leucoptera)
Birkenzeisig (Carduelis flammea)
Blaukehl-Hüttensänger ( Sialia Mexicana / varia)
Blauscheitelorganist / varia Chlorophonia occipitalis)
Bluthänfling (Carduelis cannabina)
Bluthänfling (Carduelis cannabina / varia)
Bullock Trupial ( Icterus bullockii / varia)
Erlenzeisig (Carduelis spinus)
Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra)
Flammentangar (Ramphocelus sanguinolentus)
Gimpel (Pyrrhula pyrrhula)
Girlitz (Serinus serinus)
Gouldamadine (Erythrura oder Chloebia gouldiae)
Grünling oder Grünfink(Carduelis chloris)
Hakengimpel (Pinicola enucleator)
Karmingimpel (Carpodacus erythrinus)
Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes)
Kiefernkreuzschnabel (Loxia pytyopsittacus)
Kieferntangare (Piranga ludoviciana)
und Western TangarLappenschnäpper (Platysteira cyanea / varia)
Mexikaner Zeisig (Carduelis psaltria)
Papstfink (Passerina ciris)
Piroltrupial ( Icterus pustulatus / varia)
Polarbirkenzeisig (Carduelis hornemanni)
Schwarzkopfgrünling (Carduelis ambigua)
Spitzschnabelämmerling (Semnornis frantzii)
Stieglitz (Carduelis carduelis)
Weißkehl-Finkenwald-Sänger (Granatellus venustus / varia)
Zitronengirlitz (Serinus citrinella)



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