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Sand und Seide . - Seidenstraße

Das Künstlerbuch – Objekt "Sand und Seide" visualisiert meine Vorstellung vom Mythos der Seidenstraße, der an seiner Faszination auch in der heutigen Zeit nichts eingebüßt hat. Mehrere Sinne werden beim Betrachten des Buchobjektes angesprochen

Kolophon: 10 Unikatbücher in Variation, Rollenform in Kassette, jeweils 4 langschmale Büttenblätter (Zerkall-Bütten), 340 g und einem selbst geschöpften doppelt gegautschten Blatt aus Baumwolle, je ca 16 x 67,5 cm und rückseitig signiert, sowie einer Textrolle in orangerotem Papier, gefaßt mit Essstäbchen aus Bambus, ca 16 x ca 165 cm. Frankfurt 2006 Äußeres Blatt: Kamelkarawane, schwarzer Reliefhanddruck auf Orangerot, 2. Blatt: Kamelkarawane, kaschierte Kamele aus unterschiedlich gekörntem und farbig abgestuftem Sandpapier, handgeschnitten, 3. Blatt: Kamelkarawane, kaschierte Kamele aus verschieden mustrigem und farbigem Seidenstoff handgeschnitten, 4. Blatt: Kamelkarawane, Reliefhanddruck der Kamele, 5. Blatt: Kamelkarawane als Wasserzeichen in selbst geschöpftem Baumwollpapier. Die Buchrolle aus insgesamt jeweils 5 Blättern wird von einer handgerollten jeweils unterschiedlich einfarbigen Seidenkordel zusammengehalten. Innen liegt ein einfarbiger Beutel aus Seide, zusammengebunden mit einer dünnen handgerollten jeweils unterschiedlich einfarbigen Seidenkordel. Darin befinden sich sehr kleine gefüllte Rollen, Säckchen und Bündel aus verschieden mustrigem und farbigem Seidenstoff Sie sind zusammengeknotet mit dünnen handgerollten jeweils unterschiedlich einfarbigen Seidenkördelchen. Getrocknete Seidenraupe im Kokon. Die kleinen seidenen Behältnisse sind gefüllt mit z.T. aromatisch duftenden Waren wie Weihrauch, Kümmel, Fenchel, Nusskatnuss, Gewürznelken, Zimtstange, Wacholderbeeren, Rosmarin, Pfeffer, Vanilleschote, aber auch Glas und Perlen. Eingelegte Textrolle Kassette: 2 mm Buchbinderkarton, ca 18 x 19 x 19 cm, außen mehrfache Hochglanzlackierung in Orangerot, Deckelrand, Boden und Innenraum in schwarzer Hochglanzlackierung, 5 aus schwarzem Karton handgeschnittene Kamele auf die Außenseiten aufkaschiert, schwarze Quaste auf Deckelmitte, innen mit schwarzer Halbperle befestigt. Individuelle Lesezeichen: Eine aus gemustertem Seidenstoff handgeschnittene "Seidenraupe" mit einem doppelt gezwirntem Seidenfaden aufkaschiert auf einfarbigem Karton kann dem "Bücherwurm" als Lesezeichen dienen.

Sand und Seide - Seidenstraße

Das Künstlerbuch – Objekt „Sand und Seide“ visualisiert meine Vorstellung vom Mythos der Seidenstraße, der an seiner Faszination auch in der heutigen Zeit nichts eingebüßt hat. Mehrere Sinne werden beim Betrachten des Buchobjektes angesprochen: Sehen, Fühlen und Tasten, Riechen, sogar das Schmecken könnte – zumindest gedanklich - angesprochen sein. Der Betrachter wird aktiv eingebunden, wenn er zunächst die Kassette öffnet, die gerollten Blätter von ihrer Verschnürung befreit, sie ausrollt, betrachtet, ja betastet, um die verschiedensten Oberflächen auch zu er“fassen“. Er liest diesen Text vielleicht erst am Schluß, da er ja wissen will, was ihn in dem zusammengeknüpften innen liegenden Beutel aus Seide erwartet. : Nochmals seidene Beutel, Pakete, Säcke, Bündel alle in Miniformat, gefüllt mit Beispielen der Waren, die die Kamelkarawanen als schwere Lasten von Ost nach West und von West nach Ost beförderten.

Name und Geschichte

„Seidenstraße“ , schon dem Namen haftet die Vorstellung des Luxuriösen, ja Kostbaren an, wiewohl erst der deutsche Geograph und Geologe Ferdinand Freiherr von Richthofen (1833 –1905) Mitte des 19. Jahrhunderts das Netz von Karawanenstraßen, dessen Hauptroute Europa mit China verband, so benannte. Diese Wege, oft nur Pfade, führten durch China von Ost nach West, durch Zentralasien, durch die Länder Indien und Persien, den Kaukasus, durch die Türkei und den Nahen Osten, nach Ägypten und schließlich nach Rom.
Der Han-Kaiser Wudi (156 – 87 v. Chr.) wird als Initiator der Seidenstraße als Handelsroute genannt.
Heute läßt sich diese ungeheure Entfernung von 8 bis 10 Tausend Kilometern per Flugzeug in kürzester Zeit überwinden. Doch damals, als im ersten vorchristlichen Jahrhundert diese Handelsroute aus dunkler Frühzeit ins geschichtliche Bewußtsein trat, und noch bis ins späte Mittelalter hinein, als die Blütezeit der Seidenstraße vergangen war, waren diese Distanzen unvorstellbar groß und ihre Überwindung erforderte jahrelange Ausdauer von Mensch und Tier.

Das Märchenhafte, Unbekannte, Rätselhafte liegt noch immer über dem Begriff der Seidenstraße, deren Bedeutung in der Verbindung und dem Austausch zwischen den Völkern lag. So bemühen sich Historiker und Archäologen um Kenntnisse von Fakten und Relikten, die insbesondere aus spektakulären Ausgrabungen in China zu gewinnen sind. Auch bedeutende Museen tragen mit ihren großartigen Ausstellungen dazu bei, daß die Geschichte und Bedeutung dieser einstigen Karawanenstraße mehr und mehr ins Gesichtsfeld der Menschen wieder gerückt wird.

Ausgrabungen

Wir wissen noch viel zu wenig über die historische Seidenstraße, ihren Ursprung, ihre Routen, ihre Stationen, Zeitläufe, Waren, doch entdecken die Forscher immer mehr Einzelheiten. Insbesondere die sensationellen Funde bei Ausgrabungen des größten Mausoleums der chinesischen Geschichte, eines Grabhügels des ersten Kaisers von China, Qui Shihuang Di ( 221 – 206 v.Chr.) in der Nähe von Xian (bei Lintong, ca 40 km östlich von Xian), die u.a. eine Terrakotta Armee aus rund siebentausend Terrakotta-Kriegern zusammen mit ihren Pferden in voller Lebensgröße zum Vorschein brachte, haben im Westen eine große Anziehungskraft auf die Menschen ausgeübt. Diese kaiserlichen Soldaten in voller Größe und mit individuellen Gesichtszügen und Köpfen gestaltet, sollten die Grabanlage ihres Kaisers schützen. Sie kommen ihrem Auftrag seit 2000 Jahren bis heute getreu nach, denn bisher haben die chinesischen Archäologen noch nicht den Versuch unternommen, das kaiserliche Grab selbst zu öffnen.

Handelswege

Die Hauptrouten der Seidenstraße verliefen ausgehend vom östlichsten Punkt X‘ian oder auch Luoyang etwa über Lanzhou, Wuwei, Zhangye, Jiayuguan, Yumen, Anshi (Anxi) nach Dunhuang, wo sich die Route verzweigte. Eine nördliche Karawanenstraße führte über Guazhou (Anxi), Hami (Yiwu), Turpan (Turfan), Urumqi, Kokand, Korla, Kucha, Aksu nach Kashgar (Kashi). Eine zweite Route nahm den Weg über Anshi, Loulan, Kuqua, Aksu nach Kashgar (Kashi). Der südliche Handelsweg ging über Miran, Niya, Keriya, Khotan, Yarkand (Shache) ebenfalls nach Kashgar (Kashi), wo sich die Wege trafen. Auch gab es einen Pfad von Dunhuang ausgehend über Yumenguan und Loulan nach Korlan. Weiter ging es von Kashgar (Kashi) nach Kokand, Tashkent, Samarkand, Buchara, Merv, Ecatompilo, Ecbatana, Bagdad, Damaskus, Palmira, Tyros und Alexandria und verzweigte sich nach San Giovanni d’Acri, Antiochia (Antakya), Zeugma, Mitilene (Lesbos), Byzanz und von dort per Schiff durchs Mittelmeer nach Rom.

Diese mehrfach verzweigten Handelswege, die nicht nur dem Austausch von Gütern dienten, sondern auch im Verlauf ihrer unterschiedlichen Geschichte und Bedeutung Wissen, Kultur, Religionen und diplomatische Beziehungen wie auch Krankheiten beförderten, führten über weite Strecken unwirtlicher Gebiete, wie über die höchsten Gebirgsketten der Erde mit eisigen Pässen in 5000 Metern Höhe, durch tiefe Schluchten und ausgedehnte Sand-und Salzwüsten. Die genannten Routen umgingen daher das schier unbezwingbare Sandmeer der Tod verheißenden Taklamakan-Wüste und ihre berüchtigten Sandstürme und trafen in Samarkand und Buchara wieder zusammen.

Das Kamel als Symbol der Seidenstraße

Unter diesen schwierigen geographischen und klimatischen Bedingungen erwiesen sich die einhöckrigen Kamele, die Dromedare, sowie die zweihöckrigen Kamele, die Trampeltiere, als zuverlässige Lasttiere. Insbesondere das in Zentralasien beheimatete zweihöckrige baktrische Kamel war von großer Bedeutung. Es konnte großer Hitze widerstehen wie auch der Kälte durch sein Winterfell trotzen. Damit war es bestens an die kontinental- klimatypischen extremen Temperaturschwankungen in den Steppen- und Bergregionen mit großen Höhenunterschieden angepaßt. Dagegen waren die anderen Reit- und Lasttiere Pferd, Maultier oder Esel nicht so belastbar. Bis zu tausend Kamele zählten häufig die Karawanen, die ohne Kamele einfach nicht denkbar waren. Diese vermochten die gewaltigen Entfernungen zu bewältigen und den Strapazen standzuhalten. Wenn sie in Oasen und Handelsplätzen eintrafen, konnten sie rasten, erhielten Wasser und Futter. Auch wurden sie hier ausgetauscht und verkauft, wie die Waren selbst . Die gesamte Strecke vom Ausgangs- und Endpunkt X‘ian im fernen China, bis zum Mittelmeerraum und Rom konnten die einzelnen Kaufleute sicher selten bereisen, da die Handelswege über viele Herrschaftsgebiete hinweg führten. Vielmehr wurde die Ware durch Tausch oder Kauf an die nächste Händlergruppe übergeben. Überfälle von Wegelagerern und Räuberbanden waren wohl auch keine Seltenheit, sodaß die auf Pferden und Eseln reitenden Händler häufig den Schutz von bewaffneten Begleitern, ja Heeren benötigten.

Für die bildhafte Darstellung des Mythos Seidenstraße in einem Künstlerbuch-Objekt scheint mir das symbolträchtige Kamel unverzichtbar. Es steht für mich als Metapher, trägt es doch die ganze Last des unendlich mühseligen Weges auf seinem Rücken. So erscheint es hier im Buchobjekt in verschiedenster Form und Gestaltung. Aus Sandpapier geschnitten erinnert es so an die beschwerlichen Wege durch weite Wüsten. Als Wasserzeichen mag es an die Fata Morgana eines Wasserlochs dort erinnern, als schwarze Silhouette zieht es durch roten Wüstensand, tief eingeprägt weist es auf die Spuren, die es in den weichen Sand drückt, und schließlich trägt es auf seinem Rücken Seide als eine „seidene Haut“.

Seide

Seide symbolisierte damals Luxus, Kostbarkeit und märchenhaften Reichtum. Daher steht Seide als Metapher für die Seidenstraße in meinem Künstlerbuch-Objekt. Seidene Kamele und Kordeln wie in Seide eingepackte Handelsware mögen dies aufzeigen.

Das Kamel trug die Seide als das begehrteste chinesische Produkt nach Westen. Doch ist der Handel mit Seidenstoffen erst seit 141 v. Chr. nachgewiesen, um 150 v. Chr. ist erstmals in Rom Seide belegt. Aber Roms feine Gesellschaft wünschte nicht nur das Produkt Seide, sondern verlangte auch nach dem Wissen um seine Herstellung. Die chinesischen Kaiser hatten jedoch die Todesstrafe auf die Ausfuhr der Seidenraupe verhängt. Daher blieb die Herstellung von Seide lange Zeit ein wohlbewahrtes Geheimnis der Chinesen. Aber auch dieses bestgehütete Geheimnis drang eines Tages über die Grenzen Chinas hinaus.

Legenden

So heißt es in einer Erzählung, daß eine chinesiche Prinzessin einen Seidenkokon in ihrem Haarschmuck versteckt hatte, als sie nach Indien verheiratet wurde, und somit die Seidenherstellung in Indien ihren Anfang nahm.
Nach einer anderen Legende gelangte das Wissen um die Seidengewinnung folgendermaßen auch in den Westen. Zwei nestorianische Mönche hätten im Jahr 555 n.Chr. in ihren ausgehöhlten Wanderstäben einige Eier des Seidenspinners nach Europa zum byzantinischen Kaiser Justinian I. geschmuggelt. Ihr Wissen um die Aufzucht von Seidenraupen und die Herstellung des Seidengewebes machte die Gewinnung von Seidenstoffen auch im Westen möglich. So sollen sämtliche Seidenspinnerraupen in Europa noch heute von diesen geschmuggelten Eiern abstammen.

Eine weitere Geschichte erzählt vom Ursprung der noch heute ausgeübten Seidenproduktion in Italien, in Como und Umgebung: Ein sizilianischer Fürst hätte das Geheimnis von Arabern gestohlen, die es wiederum von den Chinesen geraubt hätten. So hätte der Fürst von einem Feldzug aus dem Mittleren Orient ein komplettes Dorf von Seidenwebern mit vielen Maulbeerbäumen, Seidenraupen und Webstühlen mitgebracht.

Bereits von seinem im Dunkel der Geschichte liegenden Ursprung an ranken sich vielerlei Legenden und Geschichten um die Seidengewinnung selbst, die immer wieder neu erzählt doch das Märchenhafte transportieren.

So heißt es der Sage nach, daß Si Ling Chi (Xiling), die Frau des chinesischen Kaisers Huang Di, der „gelbe Kaiser“, etwa 3000 v. Chr. (die Jahresangaben schwanken von Erzählung zu Erzählung) durch den kaiserlichen Garten gelustwandelt sei und dabei habe sie helle runde Gebilde in einem dicht belaubten Maulbeerbaum bemerkt, aus denen Schmetterlinge hervorschlüpften. Weich und doch fest zugleich schien ihr das zurückbleibende Gespinst, aus dem sich, wie sie meinte, trefflich ein Gewand herstellen lassen mußte.

Nach einer anderen Legende trank eine chinesische Kaiserin geruhsam unter einem Maulbeerbaum ihren Tee, als ihr eine versponnene Seidenraupe in das heiße Getränk fiel, und sie beim Beobachten der Seidenraupe so das Geheimnis des Seidenfadens entdeckte.

Seide als Symbol für exotische Kostbarkeiten, wie wird sie hergestellt?

Seide wird aus dem seidenen Faden des Seidenspinners „Bombyx Mori“ oder Maulbeerspinners, eines grau-gelben Nachtschmetterlings gewonnen. Das Weibchen legt bis zu 800 Eier, aus denen nach etwa 10 Tagen sehr gefräßige Raupen schlüpfen, die ausschließlich frische zarte Blätter des Maulbeerbaums fressen. Nach etwa vier Wochen und vier Häutungen ist die winzige Raupe ca fingerdick und beginnt einen Faden von rund 3000 Metern Länge um sich herum zu einem Kokon zu spinnen. Die Raupe besitzt dafür vier Drüsen, von denen jeweils zwei Drüsen gleichzeitig einen Faden produzieren, der aus Fibroin, einem hornähnlichen Eiweiß, besteht, und mit Sericin, einem Leim (Seidenbast), verklebt ist. Bei diesem Vorgang führt die Raupe eine Achterbewegung aus, die es später ermöglicht, den langen Faden abzuwickeln. Dieser feine doch sehr widerstandsfähige Faden, zu Seide versponnen, ergibt einen Seidenstoff mit vorzüglichen hautsympathischen Eigenschaften, die von keinem anderen Naturstoff erreichten werden. Seide kühlt bei Hitze, wärmt bei Kälte, nimmt Feuchtigkeit auf, ist schmutzabweisend, knitterarm, trocknet schnell und bleibt unempfindlich gegenüber Gerüchen und behält bei alledem ihre hohe Festigkeit. Aus dem Rohseidenfaden werden je nach unterschiedlicher Behandlung verschiedene Seidenstoffe gewebt; am teuersten ist die Glanzseide, die zu Seidendamast, Atlasseide oder Seidenduchesse verwebt wird. Kein Wunder, daß bereits im Altertum dieser Seidenstoff für die wohlhabenden Damen äußerst erstrebenswert für ihre Bekleidung schien. Heute ist Seide erschwinglich geworden und wird auch von Herren in Form seidener Krawatten gern getragen.
So trabt auch eine Kamelkarawane aus Krawattenseide in meinem Künstlerbuch-Objekt entlang, die vielen in Seide gehüllte oder aus Seide bestehende Lasten zu tragen hat.

Waren und Ideen

Nicht nur die Seide, die der Handelsstraße ihren Namen gab, sondern eine Vielzahl weiterer Waren wurden von West nach Ost und umgekehrt auf den Kamelrücken befördert.
In Richtung China trugen die Kamele Gold- und Silberwaren, Elfenbein, Korallen, Bernstein, Edelsteine, Glas und Perlen. Umgekehrt brachten die Karawanwen aus China Luxuswaren wie Pelze, Moschus, edle Keramik, Jade, Bronze, Lacke, Eisen und vor allem auch Gewürze wie Zimt, Ingwer und Kurkume sowie Tee. So „tragen“ meine Kamele im Künstlerbuch-Objekt kleine in Seide gehüllte Päckchen und Beutelchen mit Glas, Perlen, Pfeffer, Rosmarin, Wacholderbeeren, Vanilleschote, Gewürznelken, Nußkatnuß, Kümmel, Fenchel, Weihrauch, Tee und natürlich auch Seide, um den ausführlichen Handel den Betrachter „greifbar“ nah spüren zu lassen.
Auch Kulturpflanzen wie Pfirsisch und Mandeln wurden zur begehrten Handelsware.
Aber auch Kenntnisse und Herstellungsprozesse breiteten sich entlang der Seidenstraße aus, so beispielsweise die Papierherstellung, der Buchdruck, die Destillation oder auch Gerätschaften wie effiziente Pferdegeschirre oder Steigbügel.
Daneben fanden auch die Religionen wie beispielsweise das Judentum durch Kaufleute und Missionare ihren Weg nach Osten. Der Buddhismus aus Indien kommend verbreitete sich in China und von dort nach Japan. Das nestorianische Christentum, das auf den griechischen Theologen Nestorius zurückzuführen ist, hatte seine Chance während des Mongolenreiches. Der Islam hingegen eroberte nach dem Tod Muhammads im Jahre 632 n.Chr. nach und nach große Gebiete der arabischen Halbinsel, von Nordafrika, von Persien und von Zentralasien sowie von China.
Doch auch Krankheiten und Seuchen wanderten wie die Pest im 14. Jahrhundert begünstigt durch den Transport von Pelzen von Ost nach West.
Somit war die Seidenstraße nicht nur eine Handelsroute für Waren, sondern auch eine Kulturstraße, über die Ideen, religiöse Vorstellungen und auch Wissenschaft transportiert wurden. Der Fernhandel begünstigte den Reichtum und die Bedeutung der Städte entlang der Handelswege. Oasen, wo Mensch und Tier Nahrung und frisches Wasser erhielten, blühten auf als wichtige Handels-und Tauschorte. Der rege Verkehr auf diesen weitverzweigten Handelswegen schwemmte auch Menschen anderer Völker und Rassen in die Handelsorte, was wiederum zur Folge hatte, daß eben nicht nur Handelsware, sondern auch weitreichende Kenntnisse gegenseitig vermittelt wurden.
So weiß man, daß der östliche Ausgangspunkt der Karawanen, die damalige Hauptstadt X‘ian um die Mitte des 8. Jahrhunderts bei einer Einwohnerzahl von ca 2 Millionen Menschen 5000 Fremde unterschiedlicher Kulturen beherbergte! Aber schon 120 Jahre vor Chr. ließen sich viele Händler aus fremden Ländern dort nieder, nachdem 138 v.Chr. der General Zhang Qian im Auftrag des Han-Kaisers Wudi den Westen bereist und sogar Weinstöcke von dort mitgebracht hatte. Der 113 v.Chr. gestorbene General und Reisende war mit Gesandtschaften von jeweils mehr als hundert Mann in seinen vom Kaiser befohlenen Missionen bis nach Zentral- und Westasien gekommen. Bald darauf begannen die chinesisch-römischen Handelsbeziehungen, und so reiste auch eine chinesiche Gesandtschaft zum römischen Kaiser Augustus, um diplomatische Beziehungen aufzunehmen.
Nach einer Blütezeit des regen Austausches von Waren, Ideen und Wissen verlor mit dem Untergang der Tang-Dynastie ( 618 – 907) auch die Seidenstraße mehr und mehr an Bedeutung, da offenbar ihre Routen nicht mehr gesichert waren, wobei wirre und unsichere politische Verhältnisse wohl ihren Anteil hatten. Schließlich verringerte sich unter den Kaisern der Ming-Dynastie (1368 – 1644) der Fernhandel zu Lande erheblich. Der gegenseitige Austausch und Einfluß von Gütern, Ideen und Wissen zwischen Ost und West, den die Seidenstraße ermöglicht hatte, kam damit zum Erliegen.

Zurück bleiben märchenhaft anmutende Legenden sowie kostbare Relikte aus Ausgrabungen. Grabbeigaben zeigen uns die hochentwickelte chinesische Kultur, darunter seltene zweitausend Jahre alte, kostbare, gewebte und bestickte Seidenstoffe. Es finden sich Artefakte fremder westlicher Kulturen, die die Handelsbeziehungen jener fernen Zeit belegen, aber auch Darstellungen jener Fremden als Porzellan-und Terrakottafiguren.

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