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Schach Buch Objekt

Wie immer fing alles mit einer Idee an: Ich wollte ein Künstlerbuch zum Thema Schach machen. Dabei stand mir nicht die Wiedergabe der Geschichte dieses königlichen Spiels, die sich im Dunkel der Vergangenheit verliert, vor Augen.

Kolophon: Buchobjekt (Auflage 6 in Variation) Leporello aus schwarzem und weißem Karton, aufsitzende, eigens entworfene, handgeschnittene Schachfiguren aus weißem und schwarzem Karton, Innenseite der Buchdeckel mit weißem Reliefdruck der Schachfiguren, Außendeckel mit schwarzem Hochdruck der Schachfiguren auf weißem Grund, ca 36,3 x 19,5 cm geschlossen , geöffnet ca 64 cm, 2005, handsigniert Kassette aus Buchbinderkarton, schwarz gestrichen. Deckel mit schwarzem Buchbinderleinen außen bezogen und innen mit einem Hochdruck des Motivs der Schachfiguren scharz auf weiß kaschiert. Auf dem Deckel montiert befindet sich der handgeschriebene Titel auf gemaltem Schachbrettpapier, zwei Schachfiguren, verbunden mit Seilchen als Heber, Titelheft mit gemaltem abgewandeltem Schachbrettmuster, geheftet und Text zum Buch Individuell gestaltetes Lesezeichen

Man glaubt den Ursprung des Brettspiels im Norden Indiens, auch in Persien zu finden können. Vielleicht, so wird vermutet, geht es noch viel weiter als in das 5. Jahrhundert n.Chr., ja in graue Vorzeiten zurück.

Um das Schachspiel ranken sich vielfältige Legenden, die einer malerischen Gestaltung als Vorlage dienen könnten. Gerade die immer wieder so reizvolle Legende von dem König, der, erfreut über die Gabe des Schachspiels, dem armen Schenkenden leichthin dessen geäußertem Wunsche entsprechen wollte, indem er auf das erste Spielfeld ein Weizenkorn legen ließ, auf das zweite Feld zwei Körner, auf das dritte Feld vier und so jeweils verdoppelnd bald einsehen mußte, daß sein ganzes Königreich nicht so viele Körner besaß, um dieser scheinbar so schlichten Bitte nachzukommen. Wurde dem Erfinder des Schachspiels dann tatsächlich der Kopf abgeschlagen? Ich bin dagegen!

Auch eine Anleitung zum Spiel, gar zu Spieltheorien oder ein echtes Spielbrett mit beweglichen Figuren zum Spielen sollte es nicht werden. Solche Spielbretter mit Figuren aus vielfältigem und oft edlem Material und in unterschiedlichstem Stil sind zahlreich zu finden. Häufig zeigen sie auch zeittypische Merkmale auf, die auf die Wandlungen des Gebrauchs hindeuten, der im Laufe der Jahrhunderte stattfand.
Nein, mir stand ein sonderbares eher surreales Schachspiel vor Augen, das eher als Buchobjekt oder Buchskulptur im weitesten Sinne der Idee Raum gäbe.

Die Reduktion der Farbgebung auf schwarz und weiß war einleuchtend und steht ganz in der Tradition des Spiels. Als Material, das sich schneiden und falzen ließe, bot sich ein kräftiger Karton an. Das Spielbrett mit seinen typischen schwarzen und weißen quadratischen Feldern ließ sich somit als Leporello gestalten. Auf dessen „Rücken„ reiten die Schachfiguren nicht ganz den üblichen Regeln entsprechend. Die Bauern stehen sich wohl gegenüber, doch dem Auge Abwechslung und Rätsel zugleich aufgebend.
Diese Figuren, eigens entworfen, folgen aber doch den traditionellen Vorstellungen von König, Königin, Läufer, Pferd und Turm. Von einem Elefanten, der auch im alten Indien vorgekommen sein soll, nahm ich Abstand. Die Verwirrung wäre beim Schachfreund nun doch zu groß. Alle Figuren sind handgeschnitten und erhalten dadurch diese leichte Differenzierung, die Lebendigkeit und ein wenig Persönlichkeit signalisiert. Der König gibt sich breit und majestätisch mit Krone und Kreuz; die starke Frau im Spiel, die Dame oder Königin, ist ebenfalls gewichtig mit Krone dargestellt. Der Läufer hingegen zeigt sich schlank und rank, das Pferd mit lebhafter Mähne und der Turm mit großer Festigkeit. Die Bauern, das Fußvolk, wird in seiner Dickschädeligkeit mit rundem großem Kopf charakterisiert.
Das Schachbrett-Leporello hat in geschlossener Form eine schmalhohe Form und wird von zwei Buchdeckeln eingefaßt, deren Außenseiten mit einem Papier mit Hochdruck in schwarz/weiß, dessen Druckvorlage die Schachfiguren wiedergeben, bezogen sind. Die Innenseiten dieser Buchdeckel zeigen hingegen einen Reliefdruck in schlichtem Weiß des besagten Druckstocks. Dergestalt setzen die Innendeckel, nur mit Licht und Schatten spielend, einen beruhigenden Rahmen für den starken graphischen schwarz/weiß Effekt des Schachfeldes mit seinen schwarzen und weißen Figuren.
Aus Buchbinderkarton baute ich die schwarz bemalte Kassette für das Schachbuchobjekt. Ihren Deckel bezog ich mit schwarzem Buchbinderleinen und beklebte ihn mit einem kleinen auf Karton gemalten Schachbrettmuster, den Inhalt andeutend, den dann der Titel verrät :SCHACH BUCH OBJEKT
Die Innenseite wiederholt die Außenseite der Buchdeckel mit den schwarz auf weißem Grund gedruckten Schachfiguren.
Das in der Schachtel liegende Buchobjekt kann leicht daraus entnommen werden, indem man die beiden Bauern, die ein Seilchen halten, herauszieht.

Das beigegebene schmale Titelheft ist mit einem Umschlag versehen, der ein leicht abgewandeltes Schachbrettmuster aufgemalt bekam. Eine Schachfigur, der behäbige Turm, dient als Lesezeichen.

All dies liest sich nun leichter als getan, der Weg von der Idee zum fertigen Buchobjekt war lang, hatte einige zermürbende und die Geduld und Fingerfertigkeit herausfordernde Aspekte, insbesondere, wenn Farbe oder Material nicht so agierten wie gedacht.
Nun aber erfreut das fertige Werk den Betrachter!

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