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Zeichen, Zeiten, Zonen

Das Künstlerbuch befaßt sich mit Schrift, Piktogrammen und anderen Zeichen aus allen Regionen der Welt seit den frühesten Anfängen bis heute. Die 1999 begonnene Arbeit umfaßt bisher 400 Blätter, die in den unterschiedlichsten Techniken ausgeführt sind. Daraus entstanden vielfältige unikatäre Multiples. Jedes ist numeriert und signiert. Darüber hinaus sind die Originale zu Künstlerbüchern zusammengestellt. Ein ausführlicher Begleittext liegt vor.

Kolophon: 40 unterschiedliche handsignierte Unikatbücher in Mischtechnik auf Karton montiert, ca DIN A 5, je 10 Blatt, Ringbindung, Klarsichteinbandschutz, 2001, handsigniert und nummeriert. 48 unterschiedliche Multiples, Ringbindung, Klarsichteinbandschutz, DIN A 5, DIN A 4, DIN A 6, je 40 Farbseiten, 2000, handsigniert und nummeriert

Das Künstlerbuchprojekt "Zeichen Zeiten Zonen" beschäftigt sich mit der Entstehung, Entwicklung und Ausbreitung von Sprache in schriftlicher Form. Die Zeichen, die der menschlichen Kommunikation dienten und dienen, haben sich von ihren frühen Anfängen bis heute über die ganze Welt hin verbreitet in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen und Formen. Von den allerersten Beispielen aus steinzeitlichen Höhlen bis zum weltumspannenden Computer Network (Netzwerk) internet haben die Zeichen der Verständigung und Tradierung einen langen Weg hinter sich gebracht. Die Schrift gilt als Meßlatte für die kulturelle Entwicklungsstufe eines Volkes, einer Gesellschaft, eines Landes. Sieht man vom Inhalt der überlieferten Schriften einmal ab, so kann man allein schon an ihrer räumlichen und zeitlichen Verbreitung Geschichte ablesen. Wie Wellen schwappen Sprache und Schrift über Länder und Regionen ganzer Erdteile, bis sie wieder zurückgedrängt werden von neuen Schriften und Sprachen. Man denke nur an die Phönizier, Griechen und Römer, wie auch an die Entdeckung Amerikas, die Kolonialzeit oder an die Ausbreitung des Englischen heutzutage in Wissenschaft, Technik, Wirtschaft, Verkehr (Flugverkehr!) und Politik. Aber eine Sprache löst nicht abrupt eine andere ab, sondern sie infiltriert meistens die bestehende durch wirtschaftliche, politische oder militärische Gegebenheiten und Zwänge. Im Deutschen kennen wir Fremdworte wie Lehnworte. Es wäre interessant zu sehen, wie englisch die deutsche Sprache eines Tages ausschauen wird. Aber über ihre Bedeutung als Kulturträger hinaus üben Schriften eine große Neugierde und Faszination mit ihrer Schönheit und Vielfalt auf mich aus.
Zeichen, Silben und Buchstaben spüre ich auf, eigne sie mir malerisch an, setze sie gestalterisch um, stelle sie in ungewohnten Kontext, verändere sie auch und erfinde sie abmalend, abzeichnend und abschreibend teilweise dadurch neu. Indem ich dies tue, versuche ich ihrer Eigenart, ihrer Unterschiedlichkeit wie auch ihrer Ähnlichkeit nachzuspüren. Es ist ein Versuch, die Wahrnehmung hinsichtlich des Vergangenen und des Vergehenden zu schärfen. Die heutige Globalisierung bringt alles Individuelle und Gewachsene der unterschiedlichen kulturellen Traditionen erst zum Verschwimmen und dann zum Verschwinden. Einen kurzen Augenblick möchte ich anhalten, die schier endlosen Schriftzeilen vorbeiziehen lassen, mir bewußt werden ,daß auch heute und hier Veränderung geschieht. Auch die Form, die ich für diese Arbeit gewählt habe, nämlich ein Buch zu schaffen, hängt natürlich zusammen mit dem Thema Schrift, aber auch mit dem Thema Zeit, denn es soll so viele Seiten erhalten, wie das Jahr Tage. Zeit auch deshalb, weil Sprache und Schriftzeichen für mich zeitenumspannend und auch zeitenlos sind. Es gibt inzwischen 400 Seiten zum Thema, die unterschiedlich sortiert in den multiples vorliegen, deren Vorlage die 40 Unikatbücher sind.



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